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Markt: Umweltbewusstsein und Konsumverhalten (1/3)
vom 30.6.2009
 

Die letzte Party auf der Titanic?

Die Verbraucher wissen längst: Der Klimawandel kann nur durch ein geändertes Konsumverhalten abgefedert werden. Doch die Erkenntnis bleibt weitgehend folgenlos.


Umweltbewusstsein verändert Konsumverhalten nicht

Statistisch gesehen emittiert jeder deutsche Bundesbürger jährlich 10,4 Tonnen Kohlendioxid. Tendenz: steigend.
Das ist relativ erstaunlich, schließlich ist den meisten Menschen mittlerweile bewusst: Autofahren ist böseböse, und Vielflieger enden sowieso im Fegefeuer. Mindestens.
Jedoch ist dies nur die halbe Wahrheit. Genau 50% seines Ausstoßes des Klimakillergases CO2 verursacht der deutsche Michel nicht etwa durch exzessives Reisen oder einen überdimensionierten Spritschlucker-Motor in seinem Auto, sondern durch seinen Konsum. Nur 1,8 Tonnen entfallen auf den Faktor Mobilität, und 3,4 Tonnen verdanken wir unserem Energieverbrauch, 77,8% davon allein für die Heizung in privaten Haushalten.
Sprich: Wir blasen Jahr für Jahr pro Nase 5,2 Tonnen klimaschädliche Gase durch die Gegend, weil wir gern auch so einen 24 Quadratmeter großen Plasmafernseher haben wollen wie die Müllers von nebenan. Oder weil uns diese blitzblank gewachsten Import-Äpfel lieber sind als die verschrumpelten Dinger von heimischen Streuobstwiesen, selbst wenn Erstere schon einige Wochen Kühlhaus und mehrere tausend Kilometer Luftfracht auf dem Buckel haben. Und weil neuseeländisches Lammfleisch doch irgendwie hipp ist, ganz im Gegensatz zu diesem langweiligen Viehzeug von irgendwelchen zugekackten westfälischen Weiden, Meinst du nicht auch, Schatz?

Konsequenzen des Konsums

Dennoch: Das Problembewusstsein ist längst vorhanden, was nicht wirklich verwundert. Schließlich massieren uns nicht nur die Medien seit Jahrzehnten ein, dass unser Konsumverhalten in eine Sackgasse führt. 1988 wurde der UN-Weltklima-Rat (IPCC) aus der Wiege gehoben, seit 1983 stricken die drei Jahre zuvor gegründeten Grünen im Bundestag, und seit den düsteren Prophezeiungen des Club of Rome über die „Grenzen des Wachstums“ aus dem Jahr 1972 ist auch bereits einige Zeit ins Land gegangen. Erste Hinweise auf den Treibhauseffekt, so hat die Süddeutsche recherchiert, stammen gar aus dem Jahre 1896, vom schwedischen Chemiker Svante Arrhenius.
Die Konsequenzen des Konsums sind drastisch, so die Warner: Die Meeresspiegel steigen, gleichzeitig beuteln Dürreperioden die Menschheit. Politik und Industrie reagieren, jeder auf seine Weise: Im Spätsommer des vergangenen Jahres forderte der Vorsitzende des IPCC, Rajendra Kumar Pachauri, die Menschen dazu auf, weniger Fleisch zu essen. So könne jeder Einzelne einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Einige Zeit zuvor verbreitete der Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte eine Pressemitteilung. Zentrale Aussage: Nachhaltigkeit habe sich längst zum Wettbewerbsfaktor in der Wirtschaft entwickelt, mit klimafreundlichen Produkten lasse sich bestens bei den Verbrauchern punkten.
Die deutsche Autoindustrie bastelt längst an klimafreundlichen Hybrid- und Elektroautos, und Eigenheimbesitzer erhalten staatliche Zuschüsse, wenn sie ihr Haus energiesparend und damit klimafreundlich um- und aufrüsten.
Auch die Bevölkerung bekennt sich zunehmend zum Wandel: Rund 15% der deutschen Konsumenten orientieren sich angeblich bereits am „Lifestyle of Health and Sustainability“ (LOHAS), einem neuen Lebensstil, der sich an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert.

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