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Markt: Interview mit Wolfgang Grupp (1/4)
vom 30.6.2009
 

„Wir müssen die Raffer zurückrufen, sonst geht es so weiter!“

Interview mit Wolfgang Grupp

Trigema-Chef Wolfgang Grupp ist ein Advokat für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Er produziert im schwäbischen Burladingen, zahlt nach Tarif und schließt betriebsbedingte Kündigungen kategorisch aus. Doch nicht nur das. der Name Grupp ist auch eng verbunden mit verantwortungsvoller Unternehmensführung und strategischem Weitblick. Grupp über das Hochlohnland Deutschland, größenwahnsinnige Hasardeure und die persönliche Haftung.



M+P: Herr Grupp, Ihre Konkurrenz ist längst ins Ausland abgewandert. Der Grund: zu hohe Löhne, Sozialabgaben und Steuern, zu viel Bürokratie. Warum beklagen Sie sich eigentlich nicht?

Grupp: Ich bin Realist. Ich lebe nun mal in Deutschland und da nützt es niemandem, wenn ich mich ständig beklage. Davon einmal abgesehen: Probleme sind nicht dazu da, um sie zu beklagen, sondern um sie zu lösen. Sicherlich gibt es hier einiges zu kritisieren, aber es gibt auch viele Vorteile, die dieser Wirtschaftsstandort mit sich bringt. Immerhin hat hier das Wirtschaftswunder stattgefunden. Und wir zählen zu den führenden Exportnationen.


Dennoch: Wie schaffen Sie, was angeblich nicht geht, nämlich in Deutschland Textilien zu produzieren?

Lassen Sie es mich einmal umgekehrt ausdrücken: Ich kenne keinen deutschen Textilunternehmer, dem es nach seinem Fortgang aus Deutschland besser gegangen wäre. Aber ich kenne viele, die nach dem Standortwechsel von der Bildfläche verschwunden sind. Nehmen Sie nur den Fall Schiesser. Als das Unternehmen noch mit 3.500 Arbeitsplätzen in Deutschland produziert hat, war es eine Goldgrube. Inzwischen ist Schiesser insolvent. Der Wäschehersteller Jockey ist ein weiteres tragisches Beispiel. In meiner Heimatgemeinde Burladingen gab es vor 25 Jahren noch 26 Textilbetriebe. Heute gibt es leider nur noch Trigema.


An dieser Stelle werden gerne die Zwänge der Globalisierung ins Spiel gebracht …

Das bedeutet für mich aber nicht, dass ich in den USA, Asien oder Osteuropa Fabriken bauen muss. Globalisierung heißt für mich: Jeder besinnt sich auf seine ganz speziellen Stärken und vermarktet diese global. Und dann wird auch ganz schnell klar, dass Masse nicht unser Thema sein kann. Das kann der Chinese viel besser. Unsere Stärke ist das innovative Produkt.
Wenn heute behauptet wird, die deutschen Arbeitslöhne seien zu teuer, deshalb könne man nicht mehr erfolgreich in Deutschland produzieren, so bin ich fest davon überzeugt, dass dies nur deshalb stimmt, weil die Arbeitskraft nicht richtig eingesetzt wird. In einem Hochlohnland wie Deutschland ist es extrem wichtig, die Qualifikation der Mitarbeiter voll auszuschöpfen. Der Lohn ist nur dann zu teuer, wenn er nicht genutzt wird.

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