„Dieses System verschärft Krisen ohne Ende“
Interview mit Thomas Selter

Der Ruf nach weniger Staat bleibt auch in der Krise laut. Doch bisher verhallt er ungehört in den Labyrinthen bürokratischer Selbstzeugung, wird jüngst übertönt von immer mehr Hilfeschreien aus Konzern- und Bankzentralen.
Die wirtschaftspolitische Lage aus Sicht eines mittelständischen Unternehmers, Vertreter klassischer Kaufmannstugenden und seit 30 Jahren politisch tätig. Thomas Selter, Unternehmer aus Überzeugung, führt in sechster Generation den Familienbetrieb – die Gustav Selter GmbH, zu der die Marke addi Stricknadeln und eine Werbeartikelfirma gehören.
M+P: Bis auf ein paar nahezu exotisch anmutende Berichte über Unternehmen, die in der bzw. trotz Krise florieren, überschlagen sich derzeit die Negativschlagzeilen, meist auf einen Hauptverdächtigen fokussiert, derzeit die Banken. Wie beurteilen Sie als Mittelständler die Situation?
Selter: Die Objektivität geht im Moment völlig verloren, denn wer etwas anderes sagt als: „Wir sterben an der Krise“, ist out und nicht bei Trost. Aber es gibt weite Bereiche, die bis jetzt noch nicht angegriffen sind, wie z.B. der Konsum, das Handwerk, ironischerweise auch der Automobilbereich, insbesondere der Handel, aufgrund dieser katastrophalen Abwrackprämie, die ein paar Unternehmen mit riesigen Steuergeldern – die wir gar nicht mehr zur Verfügung haben – extrem bevorzugt. Dazu zählen auch ausländische Firmen, was nicht unsere Hauptaufgabe sein sollte. Zurzeit werden absolute Rekordzahlen bei japanischen und koreanischen Autoabsätzen in Deutschland gemeldet! Die Politiker haben eine Heidenangst, dass der Einbruch kommt, sobald die Abwrackprämie eingestellt wird, was ihren Wahlergebnissen abträglich wäre. So geben sie also weitere sauer verdiente Steuermilliarden aus und verlängern die Abwrackprämie bis nach den Wahlen. Das ist so platt wie unverantwortlich. Und darum würde ich jedem, der dem zugestimmt hat, absprechen, über irgendeinen Banker auch nur ein kritisches Wort zu verlieren.
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