Ein Gespräch mit Alexander Bohlander, Inhaber von Springs Pilates Studio & Praxis in Köln
Ein perfekt trainierter Körper, eine aufrechte Haltung und innere Gelassenheit – so die verheißungsvolle Botschaft, die im Namen von Pilates (1880-1967) zahlreiche Menschen in die Studios lockt. Der Weg dorthin führt über sein gleichnamiges Trainingssystem: eine Methode, die der gebürtige Düsseldorfer vor rund 80 Jahren entwickelte und die – über den Trendsetter USA – inzwischen auch in Deutschland an Popularität gewinnt. Dabei ist es die Qualität der Bewegung, die seine Methode so besonders macht. Mit Konzentration und fließenden Bewegungsabläufen werden alle Muskelpartien trainiert und die Muskelelastizität verbessert, so dass Gelenke und Wirbelsäule beweglich bleiben. Trainiert wird dabei entweder in der Gruppe – am Boden und an mobilen Geräten – oder im Personal-Training an speziell entwickelten multifunktionalen Geräten wie dem „Universal Reformer“ und dem „Cadillac“.
Pilates ist ein ganzheitliches Training. Was hat seinen Erfinder vor rund 80 Jahren dazu inspiriert, diese Methode zu entwickeln?
Am besten lässt sich seine Trainingsmethode vor dem Hintergrund seiner Lebensgeschichte verstehen. Denn Joseph Pilates war – wie viele, die um die Jahrhundertwende Körperarbeit neu definiert haben – ein sehr kränkliches Kind. Menschen wie Feldenkrais, Gerda Alexander und Pilates haben alle über die Beschäftigung mit dem eigenen Körper gelernt, etwas, das nicht richtig funktioniert, besser zu organisieren, damit es wieder funktioniert. So widmete sich Pilates bereits als junger Mann intensiv asiatischen Kampfsportarten, Turnübungen und Yoga. Da er allerdings an Asthma litt, machte ihm seine Atmung schwer zu schaffen. Ein Handikap, das er letztendlich durch die Verbindung von Turnübungen und Yoga – durch die Konzentration und das mentale Training – überwinden konnte, und sich so zu einem gesunden Menschen entwickelte. Eine Erfahrung, die nicht zuletzt auch seine Methode prägte: die Vereinigung von Atmung und Bewegung sowie die Verbindung von Kraft und Beweglichkeit.
Das Pilates-Training basiert auf einer großen Portion Ideenreichtum und Sprungfedern, die ein wesentlicher Bestandteil seiner Geräte sind. Ist das Zufall?
Nein, auch das ist eng mit seinem Leben verbunden. Bereits in jungen Jahren ging Pilates nach London, um dort die Polizei zu trainieren. Als Deutscher wurde er dann allerdings während des 1. Weltkrieges interniert und musste als Pfleger arbeiten. Eine Tätigkeit, die ihn offensichtlich inspirierte. Um den bettlägerigen Patienten zu helfen, schraubte er Federn an die Betten, damit sie von dort aus alles trainieren konnten, was ihnen möglich war. Aus dieser Idee heraus entstand sein erstes Gerät. 1926 wanderte er dann aus und eröffnete sein erstes Studio in New York. Dabei stieß Pilates vor allem bei Schauspielern und Tänzern auf großes Interesse. Denn schnell sprach es sich herum, dass es da jemanden gibt, der ein bisschen crazy ist und Maschinen baut, die sowohl in der Rehabilitation als auch im Training für eine bessere Leistungsfähigkeit eingesetzt werden können.
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